Trennung auf Zeit – ein Liebesbrief

Trennung auf Zeit – ein Liebesbrief

Mein Blick nach vorn ist gleichzeitig sonnig und trüb. Wenn ich dich auf dem Schoß habe, will ich dich nicht mehr loslassen. Ich küsse dich. Ich kuschle mich an dich ran. Du magst die Sicherheit in meinen Armen und dennoch möchtest du gern ausbrechen, die Welt erkunden.

Ich kann dich nicht loslassen. Ich vermisse dich. Ich liebe dich.

Mein Herz schmerzt, wenn ich in die nahe Zukunft schaue. Der Gedanke daran schnürt mir den Hals zu und ich habe Angst, dich zu verlieren. Ich bekomme das Gefühl als würde dich bald jemand stehlen und ich verliere dich für immer.

Dabei besteht keine Gefahr und keinerlei Grund solch ein dramatisches Gefühl zu haben. Ich habe dich und du hast mich. Unser Leben wird sich nur etwas ändern. Wir werden uns entwickeln und eine neue Herausforderung gemeinsam und doch eigenständig meistern müssen. Du gehst deinen Weg und ich gehe meinen. Bis wir uns abends wieder haben.

Wir werden neue Eindrücke sammeln, Menschen kennenlernen, kleine Abenteuer erleben und wachsen. Unser Erlebtes werden wir einander mitteilen. Als Chance wahrnehmen und leben. Wieder für einander da sein, uns gegenseitig stärken und vertrauen.

Ich vertraue dir. Ich glaube an dich. Ich bin für dich da.

Ich freue mich für jede Situation in deinem Leben, die dich lernen lässt. Die dich neugierig macht. Die dich stutzig macht. Und die dich glücklich und stolz macht. Auch, wenn ich auf jede Situation neidisch bin, die dich hat, wenn ich dich nicht haben kann.

Nur bin ich an dieser Stelle nicht wichtig. Du bist wichtig. Ich trete traurig und gern zugleich in den Hintergrund und lass dich gehen, beobachte und fange dich wieder auf, wenn du mich brauchst. Mehr kann ich nicht tun und weniger werde ich nicht tun.

Ich liebe dich und vermisse dich.

Meine Tränen trüben meinen Blick aber mein Lächeln schärft ihn wieder. Du bist mein Grund zu leben, zu wachsen und zu sein.

Ich liebe dich. Deine Mama.

Stillen – Hass oder Liebe?

Ich sitze hier, weil ich so bitterlich weinen musste. Das Stillen bringt mich mal wieder zum Heulen. Ich habe mittlerweile einfach alles durch. Ein schreiendes, hungriges Baby im Wochenbett, weil keine Milch kam. Das Gefühl zu versagen, wenn du nicht genug Muttermilch hast. Das nervige Programm 6 bis 8 Mal am Tag: Baby stillen, zufüttern und abpumpen, um alles am Laufen zu halten. Eine Brustentzündung nach einigen Wochen als ich glaubte, endlich den Dreh rauszuhaben. Die ständige Angst in der Öffentlichkeit oder bei mir zu Hause auf der Couch, Leuten zu nahe zu treten, wenn ich stillen musste. Die genüssliche Freude, wenn ich merkte, dass die Milch reicher wird. Das Bedauern keinen Sport machen zu können, um einen weiteren Milchstau zu verhindern. Und dieses unbeschreiblich, unendlich schöne Gefühl, wenn mein Baby seelenruhig, innig und zufrieden in meinen Armen liegt, um von mir zu trinken.

Mit dem Wissen, dass Stillen das Wichtigste für mein Baby ist, war es für mich keine Frage, es zu probieren und so lange durchzuziehen, wie es eben geht. Doch mittlerweile denke ich mir: „Dieses Stillen ist ein Kampf, den man nur verlieren kann!“ Zu dem Schluss komme ich, weil ich die Stillzeit nun tatsächlich als schönste Zeit für mein Baby und mich empfinde aber gleichzeitig feststellen muss, dass sie doch schon zu Ende geht. Ich habe von Tag zu Tag weniger Milch. Egal, wie viel ich trinke oder esse. Wie viel ich mich bewege oder schone. Diese Tatsache lässt mich erstarren und dann immer zu weinen. Ich realisiere, wie eine Etappe zu Ende geht, über die ich einige Zeit froh war, wenn sie endlich zu Ende ginge. Das Stillen war für mich 6 Monate lang anstrengend. Es hat mir Nerven, Tränen und Schamgefühl abverlangt.

Und doch sitze ich hier und weine. Ich realisiere, dass mein Sohn bald vollständig ohne Muttermilch und damit ohne MICH klarkommen muss – und seien wir ehrlich – klarkommen wird. …Dank HiPP. Es fühlt sich an als wäre mein Baby morgen schon 18 Jahre alt und zöge aus unserem Haus aus. Ich schluchze und bramme hier als würde ich ihn bald nie mehr wieder sehen.

Dieses Wimmern ging schon vor 3 Tagen los. Nachdem ich unseren Kleinen ins Bett gebracht habe, kroch ich zu meinem Mann auf die Couch und bat ihn winselnd, mich in den Arm zu nehmen. Wie ein kleines Mädchen kuschelte ich mich an ihn und versank in seinen Armen, um einfach nur zu brammen. Dicke Kullertränen rollten meine Wangen hinunter und ich schluchzte als gäb´s kein´ Morgen mehr. Er drückte mich ganz lieb und führte mir vor Augen, dass ich den Kleinen doch ganze 6 Monate gestillt habe, was einfach toll ist und ihn so gesund und rund werden ließ.

Das ist aber nicht ganz mein Problem. Mein Problem ist tatsächlich egoistischer Natur. Mir geht es um unsere Nähe und die Bindung, die wir beim Stillen haben. Ohne Stillen habe ich das Gefühl, mein Baby zu verlieren. Und das tut so weh. Dabei war mir immer klar, dass diese Zeit kommen wird. Und ich fand es auch immer in Ordnung. Schließlich möchte ich meinen Körper auch wieder voll und ganz für mich haben, Sport machen, wie es mir beliebt und einfach ich selbst sein. Ich dachte, so ist alles gut.

Aber jetzt ist gar nichts mehr gut. Ich vermisse das Stillen jetzt schon, obwohl es abends und morgens noch klappt. Aber viel schlimmer ist, dass ich mein Baby so vermisse, wenn ich nur daran denke, dass es mit dem Stillen aufhört.

Ich konnte mich an dem Abend nur schwer beruhigen, habe noch ungefähr eine Stunde immer wieder angefangen zu weinen. In den letzten Tagen bin ich öfter traurig, versuche aber mir die Situation nicht unnötig schwer zu machen. Mir hilft, dass ich jede einzige Sekunde, die uns zum Stillen noch bleibt, ganz bewusst wahrnehme. Ich schaue mein Baby dabei verliebt an und versuche, mir dieses Gefühl der Nähe einzuprägen. Ich atme den Baby-Duft bewusst ein, spüre das Kitzeln seiner Häarchen auf meiner Haut und schaue ihm aufmerksam zu. Aktives Genießen würde ich sagen und die Einsicht, dass ich mich geirrt habe. Stillen ist nicht unbedingt das Wichtigste für mein Kind, sondern für mich. ♥︎