Mein Erlebnis beim sizilianischen Friseur

Mein Erlebnis bei einem sizilianischen Friseur

Ich lass mich schön machen aber nicht verwöhnen.

Wir sind in diesem Sommer wieder in Sizilien und ich habe beschlossen, ein paar Schönheitslücken aus dem vergangenen Dreiviertel Jährt als Working Mom aufzuholen. Also mache ich hier im Urlaub täglich Sport, kaufe mir eine neue Brille (oder vielleicht auch 2) und gehe zum Friseur. Die Italiener wissen halt einfach, wie man sich zurecht macht. Die Sizilianer sind besonders eitel, also denk ich, dass ich hier gut aufgehoben bin.

Mit meiner angeheirateten Cousine lass ich ich am Dienstag morgen um 9:50h zum Friseur fahren. Mein Mann hat uns gern fahren wollen, weil er mich hier generell ungern allein losziehen lässt. Darf ich kurz erwähnen, dass der Termin seit einer Woche geplant ist und wir doch bis 9:27h geschlafen haben? Ach ja und nicht, dass wir nur uns Erwachsene frisch machen müssen, nee, wir haben doch noch ein 19 Monate alten Sohn, den wir nun auch noch in den nächsten 15 Minuten wecken, waschen, Zähne Putzen und füttern müssen.

Aber hey, unser Baby ist ja Spontaneität erprobt und just-in-time bereit freudestrahlend wach zu sein und alles mit sich machen zu lassen. Wäre ich übrigens auch, nach fast 12 Stunden Schlaf. 🙂

Ein Hoch auf die sizilianische Sonne !

Jedoch musste ich doch auf Frühstück verzichten und bereue nun im Auto, dass ich nicht auch, wie mein Kind, schnell noch eine Banane gemampft habe. Na ja, schauen wir mal, wie weit ich komme.

Mit Auto waren es doch nur 3 Minuten und wir sind da. Von Außen würde man nicht vermuten, dass wir hier bei einem Friseur sind. Generell sieht es hier aus, wie nach dem Krieg. Kaum Jemand hat eine Fassade und daher ist alles optisch nur halb fertig. Innen allerdings sehe ich meistens Prunk: Marmorböden, venezianischen Putz an den Wänden und Kristallarmaturen. Die Sizilianer wollen scheinbar nicht direkt zeigen, was sie haben. Umso lieber legen sie Wert auf ihr persönliches Äußeres.

Also rein mit uns zum Friseur!

Letztes Jahr waren wir bei der Friseurin im Haus. Im Badezimmer wurden mir die Haare gewaschen, in ihrem ehemaligen Kinderzimmer, das etwas als Friseurkabine umfunktioniert wurde, wurden die Haare gefärbt und geschnitten.

Heute gehen wir hoch ins dritte Stockwerk, welches noch lange nicht fertig ist. Die Treppe ist gemacht aber dann hört es auf. Wir sind in einem Rohbau. Juhu. Das wird bestimmt ein besonderes Erlebnis. Oh, da erkenne ich, dass zumindest ein Zimmer gemacht ist, Ihr Friseurzimmer. Gefühlt ein Meter mal 4 Meter, lila Putz, der im Licht glitzert. Echt kitschig, aber irgendwie cool. Die Junge Dame entwickelt sich und ihr kleines „Geschäft“. Davor habe ich riesen Respekt und finde die Situation irgendwie zum Schmunzeln. Die verwöhnte Deutsche erwartungsvoll beim Friseur in Süditalien, wird nichts von einem entspannenden Friseurversuch verspüren und doch setzt sie sich und lässt sich die Haare schneiden.

Ich habe erwartet, dass ich so dazwischen geschoben werde, wenn meine Cousine ihre Farbe auf dem Kopf hat. Aber nein ich bin gleich dran, obwohl auch noch 3 weitere Damen – bereits mit Farbe auf ihren Köpfen – schon in dem schlauchförmigen Etwas sitzen. Na ja, mein Wunsch ist halt simpel: Waschen, Spitzen schneiden, Fertig. Nun gut. Ich sollte mein Shampoo und ein Handtuch mitbringen. Dann ist es günstiger. Eine Gehilfin wäscht mir die Haare, verbrüht mir etwas den Kopf und schrubbt dann, was das Zeug hält, erst ihr Shampoo und dann mein Shampoo rein. Hier muss frau hart gesotten sein. Dann darf ich auf den wichtigsten Stuhl vor den großen alten Spiegel und die echte Friseurin übernimmt. Ohne groß mit mir zu sprechen bürstet sie meine Haare durch, reißt mir dabei drei mal fast das Ohr ab und schnippelt drauf los. Den Ponny ritsch ratsch ab und fast zu kurz. Dann folgen Klammern, damit sie meine Haare über eine schmale Rundbürste trocken föhnen kann. Nicht, dass die Sonne hier ihr Übriges tut. Dann will sie auch noch meine glatten Haare, in die man wirklich kaum eine Welle bekommt, mit dem Glätteisen glätten. Doch da musste ich sie stoppen. Meinen schief geschnittenen Pony musste sie dann noch rasch ausgleichen, sonst wäre ich nicht aufgestanden und tada, nach 13 MINUTEN bin ich fertig. Und ja, ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Warum auch nicht? Was sie da tut, macht sie gut. Wenn auch WIE sie das tut, wesentlich engagierter sein könnte. Aber hey, diesen Anspruch haben die Menschen hier scheinbar nicht. Es muss gut und günstig sein. Weil Geld verdient hier irgendwie keiner. Obwohl jeder dennoch alles hat. Das Leben funktioniert. Zwar anders. Aber es funktioniert. Und mit einer Rechnung von 10 Euro kann ich mich auch nicht beschweren.

Und doch sitze ich am Ende wieder vor der Türschwelle, warte auf meine Cousine und schaue mir das Spektakel so an. Mein Blick schweift durch das Zimmer. Und ich bin wieder irritiert, warum sie dieses Zimmer nicht tip top herrichtet, wenn sie es doch sowieso gerade neu gemacht hat? Aber hey, so würde ich es tut. Sie macht es anders und das ist auch gut so!

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